Alle Jahre wieder

Jeder neue Jahreswechsel wird von neuen Zusammenfassungen über zukünftige Web-Design- Trends, die dieses Jahr besonders angesagt und wichtig werden sollen, begleitet. Viele Web Design-Blogs und auch anverwandte Blogs geben dann regelmäßig Ihre Top 10 der neuen Entwicklungen raus. Auch wenn das Jahr 2020 seine zickigen Eigenheiten hat, stellt es in Hinsicht Web-Design-Trends keine Ausnahme dar.

 

Ich möchte die Trends rückblickend nach der ersten Jahreshälfte 2020 nochmals unter die Lupe nehmen. Haben sich die Trends bewahrheitet? Wird jetzt alles Off-Grid designt? Haben wir überall den Dark-Mode? Verwenden jetzt alle nur noch Einheitsbrei-Templates? Schauen wir mal genauer hin!

Als Webdesigner macht es auf jeden Fall Sinn, die aktuellen Web-Design-Trends im Auge zu haben. Man bleibt dadurch auf dem neuesten Stand, muss allerdings auch aufpassen, diese Trends nicht als Richtlinien oder als Kredo zu verstehen. Design ist etwas, das aus individueller Überlegung heraus entstehen sollte. Viele Trends laufen auch gerne ins Leere oder bringen negative Einflüsse mit sich.

 

Der Wandel der Technik hat großen Einfluss auf die Entwicklung der Webseiten und deren Design. Die Technik bringt uns stetige Verbesserungen der Gegebenheiten für die Gestaltung, wie z.B. mittlerweile (meistens) schnellere Ladezeiten unterwegs, höhere Auflösungen auf Smartphones, Retina-Displays usw.. Für uns Webdesigner bedeutet das, dass Webseiten nachhaltig und auf die Zukunft ausgerichtet gestaltet werden sollten. Was nützt dem Kunden eine Webseite, die in zwei Jahren technisch gesehen komplett altbacken daherkommt? Daher sollte unterschieden werden zwischen technischen Entwicklungen und Web-Design-Trends. Die technischen Entwicklungen machen größtenteils Sinn und sollten immer Beachtung geschenkt bekommen. Bei gestalterischen Trends einzelner Bauteile gibt es eine hohe Fluktuation der Aktualität und der Standhaftigkeit für die Zukunft.

 

Oftmals kennen Kunden die aktuellen Web-Design-Trends auch und wollen basierend darauf eine moderne Webseite haben. Hier gilt es, die Trends genau zu kennen, die möglichen Probleme zu verstehen und dem Kunden entsprechend der Bedürfnisse der Website eine möglichst  individuelle Lösung vorzuschlagen.

 

Aber jetzt lasst uns ein paar Trends für das Jahr 2020 und deren Verwendung bis dato genauer anschauen:

UX & UI, die Nutzererfahrung im Fokus 

Modernes Webdesign geht vom Nutzer aus. Warum und wie sollte ein Nutzer auf die Webseite gehen? Was ist sein Ziel? Wie führe ich ihn zu seinem Ziel und kann dadurch gleichzeitig auch das Ziel der Webseite erfüllen?

 

Dementsprechend ist weiterhin wichtig, dass die Webseite:

Dazusagen muss man auch immer wieder, dass der meiste Internet-Traffic mittlerweile über das Smartphone kommt. In meinen bisherigen Projekten liegt die Quote hierbei immer circa bei 65-80%. Demzufolge ist es auch extrem wichtig, die Website für mobile Nutzer optimal zu gestalten.

 

Ich denke, an diesem User-Centered-Design wird sich auch so schnell nichts mehr ändern. Als Nutzer ist es wichtig, von der Webseite nicht behindert zu werden, sondern geleitet und unterstützt.

 

Ein Web-Design-Trend 2020, der Anfang des Jahres von allen Seiten ausgerufen wurde, ist das Voice-User-Interface (VUI). Dabei geht es nicht darum, dass Alexa den Seitencontent vorliest, sondern, dass der Nutzer aktiv per Spracheingabe auf der Seite navigiert. In Hinblick auf die Barrierefreiheit tun sich hier auf jeden Fall sinnvolle Perspektiven auf. So können z.B. sehgeschädigte Menschen mit einem VUI durch die Website geführt werden. Eine sprachgesteuerte Sucheingabe kann hierbei sehr sinnvoll werden. Ansonsten habe ich bisher allerdings noch nicht viele ausgereifte Implementierungen von VUIs im Web gesehen. Es bleibt spannend, was sich hier in Zukunft durchsetzen wird.

Templates

Vorgestaltete Layouts und Templates sind kein Trend des Jahres 2020, sondern haben schon ein paar Jährchen auf dem Buckel. Dennoch werden diese immer stärker verwendet. Doch, wenn jede Webseite ähnlich aussieht, ist das gut? Jein. Templates sind (meistens) nach etablierten, funktionierenden Design-Patterns gestaltet und können somit ein Fundament für ein gutes Webdesign mitbringen.

 

Typischerweise sind solche Templates mit einer oder mehreren vorgegebenen Navigationen, einem großen Bild-Slider im Header und einigen Platzhalter-Modulen ausgestattet, die eine Auswahl an Möglichkeiten für die Webredaktion und Gestaltung bieten.

Templates senken den Arbeitsaufwand vor allem im technischen Bereich enorm. Gute Templates bringen ein voll responsives Layout mit, das meist ohne zusätzlichen Aufwand gut auf allen mobilen Endgeräten und verschiedenen Screengrößen gut funktioniert. Das ist ideal für Projekte mit kleinen Budgets. Aber auch für größere Projekte gibt es einige Templates, die einen hohen Grad an Individualisierung ermöglichen und somit uns Webdesignern viele Möglichkeiten bieten.

Wie immer kommt es darauf an, Templates nicht 1:1 zu übernehmen, sondern selbst anzupassen und zu individualisieren. Es ist natürlich schade, dass diese individuelle Note bei vielen Templates nur eingeschränkt möglich ist und hier die wirtschaftlichen Komponenten die Oberhand gewinnen. Meiner Meinung nach macht es Sinn, sich etwas mehr in die Webprogrammierung zu lehnen und Templates auch selbst anpassen zu können. Mit etwas Übung und Geduld ist dies meistens gut möglich. Der Trend wird sich vermutlich aber weiterhin halten, da die Wirtschaftlichkeit einfach deutlich als Vorteil zu sehen ist.

Dark Theme / Dark Mode

Immer wieder ist man in den vergangenen Jahren schon einzelnen Webseiten mit dunklem Design begegnet. Dark Themes folgten ursprünglich (damals vor Äonen…) als Lösung auf ein praktisches Problem von OLED-Displays — es spart Energie und verlängert die Leistungsdauer der Displays. Für 2020 wurde die Dark-Theme zum Trend ernannt.

 

Dabei kommt es darauf an, die grundlegenden hellen Farbtöne durch sehr dunkle Töne zu ersetzen und die Inhalte in starken Kontrast dazu zu setzen. Dunkles Design bringt meist leuchtende (Neon-)Farben mit sich, die in Schrift und auf Elementen verwendet werden. Das sieht zum einen sehr modern aus, zum andern ist es ergonomischer, da es die Augen weniger belastet.

Webseite im Dark Design

Oftmals wird hierbei auch vom Dark-Mode gesprochen. Das bezieht sich dann eher auf die Option im User-Interface. Youtube z.B. bietet seit geraumer Zeit die Möglichkeit an, den Dark-Mode zu verwenden. Natürlich ist DAS ideal. So kann der Nutzer selbst entscheiden, ob er alles im Dark-Theme sehen möchte oder nicht. Dann müssen aber alle Elemente jeweils für ein Light-Theme und für ein Dark-Theme gestaltet werden, was wiederum mehr Aufwand bedeutet.

Ich denke tatsächlich, dass man Dark-Themes immer öfter sehen wird, sofern die ergonomischen und technischen Aspekte wahrgenommen werden. Das Problem wird für viele Designer sein, dass man sich an den vielen aufkommenden dunklen Webseiten sattsehen könnte. Da gilt es erneut, sich als Webdesigner abzuheben und das Dark-Theme individuell zu interpretieren.

Off-Grid

Der letzte kreative Schrei ist zurzeit ein Off-Grid-Design, bei dem Elemente aus dem üblichen Raster ausbrechen, sich überschneiden und auffällig absichtlich irritieren. Sicher entstand diese Idee als Antwort auf die vielen Templates, die eine Welle an sich ähnelnden Websites hervorgebracht haben. Schließlich will das Off-Grid-Design ja wortwörtlich aus dem Raster fallen.

Elemente, die aus dem Raster herausfallen, lockern das starre Kostüm eines Webauftritts schnell auf. Im Idealfall werden so kreative Akzente gesetzt. Zum Problem wird das Off-Grid-Design allerdings schnell, wenn es zu oft und zu stark benutzt wird. Auch Lesbarkeit und die Nutzerführung können ganz schnell negativ beeinträchtigt werden.

 

Ich denke, dass das Off-Grid nicht lange Teil der Trends bleiben wird. Akzentuiert kann es das Web Design schön auflockern, aber auch stark irritieren. In Zeiten, in denen der Content immer wichtiger wird und das Hauptaugenmerk für Conversions ist, darf der Inhalt einfach nicht unter Problemen in der Lesbarkeit und Nutzerführung leiden. Zugegebenermaßen bin ich persönlich auch auf einem Kriegspfad mit diesem Trend, allerdings ist das natürlich Geschmackssache.

Mobile First

Es ist tatsächlich mittlerweile schwerer geworden, Webseiten zu finden, die noch nicht responsiv sind. Responsivität ist – soweit ich das sehe – größtenteils angekommen. Leider wird sie oft nicht weit genug gedacht. Hier kommt der Trend Mobile First ins Spiel.

 

Mobile First kehrt den alten Ansatz von Desktop zu Tablet zu Mobil um und beginnt direkt beim Design einer Webseite auf der mobilen Version. Dabei steht nicht nur die Anordnung der Elemente im Vordergrund, sondern auch die technischen Gegebenheiten. Muss ich wirklich ein fancy Video direkt auf die Startseite setzen und riskieren, dass die Seite für mobile Endgeräte in der Pampa des Schwarzwalds oder in einem toten Winkel in der Innenstadt nicht lädt? Es sind vor allem technische Überlegungen, die diesen Web-Design-Trend von der einfachen Responsivität abhebt. Mobil funktioniert die Nutzung an vielen Stellen anders als am Rechner. Auch die Gestensteuerung am Smartphone ist hierbei natürlich zu beachten. Nicht umsonst sehen wir immer mehr Slider und Carousels für Inhaltselemente, damit diese leicht weiterzuwischen sind.

Mobile Zugriffe machen mittlerweile 65-80% (je nach Zielgruppe und Projekt) des Traffics aus. Wozu also noch die Desktopansicht ins Hauptaugenmerk nehmen? Mobile First ist auf jeden Fall ein Trend, der sich in Zukunft immer weiter verstärken wird.

Fazit

Web-Design-Trends sind eine gute Sache. Sie geben immer wieder kleine Ausblicke in eine mögliche Zukunft und ich persönlich ziehe daraus Denkanstöße für die nächsten Projekte. Solange man individuell für die eigene Arbeit einzelne Trends weiterspinnt und für sich verfeinert, kann man daraus viel Potenzial ziehen. Trends kommen und gehen. Es hat sich aber gezeigt, dass einige auch gekommen sind, um zu bleiben.

 

Es gibt noch unfassbar viele weitere Trends für 2020, die ich im Detail aber in anderen Themen oder in einem zweiten Teil hierzu durchleuchten möchte. Also stay tuned!

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