WordPress – nur was für Blogs?

Fangen wir ganz von vorn an: WordPress ist ein Content-Management-System, das sich stark auf Blogs und dynamischen Content spezialisieren will. Hauptaugenmerk ist die Redaktion von Blog-Posts, Portfolio-Präsentationen und simplen Websites. Soviel zur Theorie. In der Praxis finden sich deutlich anspruchsvollere Websites, die mit WordPress umgesetzt werden. Schöne Designs, aufwändige Layouts, Einbindung von multimedialen Inhalten und fancy Animationsmöglichkeiten sind nur ein kleiner Ausschnitt daraus.

Doch werden all diese Möglichkeiten dem aktuellen Stand des Web Designs im Jahr 2020 gerecht? Welche Probleme und Chancen gibt es?

Die Vorteile von WordPress

Ein guter Einstieg

WordPress bringt einige Vorteile mit sich. Allen voran geht die Einfachheit der Installation und der Bedienung. Es ist sehr einsteigerfreundlich und nimmt Nutzer sehr stark an die Hand. Das Meiste ist selbsterklärend oder in diversen Blogs und Anleitungen gut beschrieben.

Kosten

Wir greifen meistens auf die Umsetzung von Websites über WordPress zurück, wenn das Budget für ein Projekt niedrig bis mittel ausfällt. Zusätzlich kommt es natürlich darauf an, ob Projekte umfangreich sind oder nicht. Viele Vorgänge, vor allem was dynamischen Content wie Blog Posts oder Galerien angeht, sind stark automatisiert und beanspruchen in WordPress nicht viel Zeit.

Aktualität

Sicher ein etwas umstrittener Punkt, aber WordPress bekommt sehr häufig Updates und Aktualisierungen, die alle komplett kostenlos abgewickelt werden können. Je nach Hosting und manuellen Einstellungen können diese sogar automatisch durchgeführt werden (davon rate ich aber ab!). WordPress fügt bei größeren Updates auch immer wieder neue Funktionen und vereinfachende Features hinzu, um die Nutzung weiter zu verbessern.

Modulare Erweiterbarkeit

Ein mannigfaltiges Angebot an modularen Plugins ist direkt über das Backend von WordPress erreichbar. Es gibt unzählige Erweiterungen für bestimmte Probleme und zusätzliche Features, die man brauchen könnte. Sehr viele nützliche Plugins sind komplett kostenfrei und basieren auf Spendenbasis. Das Freemium-Modell wird aber auch sehr häufig verwendet: Kern-Features sind kostenfrei, Premium-Features hingegen nicht. Je nach Umfang und Komplexität der eigenen Website reichen diese kostenfreien Plugins oder man zahlt eben etwas für die Premium-Features drauf.

Die Installation von Plugins ist kinderleicht und die meisten Anbieter liefern ein gutes On-Boarding mit dem Plugin mit, um die Nutzer bei den ersten Schritten an die Hand zu nehmen.

Kostenlose Themes für den Start

Standardmäßig ist bei einer WordPress-Installation bereits ein kostenloses Theme (ein vordefiniertes Layout und meist auch Mini-Framework) installiert. Diese Standard-Themes sind meist sehr einfach und können für simple Webseiten bereits ausreichend sein.

Wie auch bei den Plugins gibt es hier eine große Auswahl an Themes, die direkt über WordPress erreicht werden können. Hier könnt ihr euch Themes anschauen, herunterladen und schließlich installieren.

Web Design Templates – Fluch und Segen zugleich

In der Vergangenheit haben wir bereits über den gegenwärtigen Trend der Web Design Templates gesprochen. Templates (bei WordPress sind das die Themes) bieten eine zeiteffiziente und meist hochfunktionale Möglichkeit, schnell schöne Web Design Layouts aufzubauen. Sie liefern Demos mit, die direkt übernommen und angepasst werden können und bieten einen superbequemen Start für eine Website. Das ist zugleich das Problem: Webseiten sehen durch die Beliebtheit von Templates / Themes zunehmend ähnlich aus, wodurch das Web Design insgesamt etwas langweiliger wird. Umso wichtiger ist es, jedem Theme seine eigene Note aufzudrücken und es kreativ weiterzuentwickeln.

Als Web Designer ohne jegliche Programmierkenntnis ist man komplett auf Themes angewiesen. Das ist auch gar nicht so schlimm, denn es gibt zahlreiche gute Themes, die wir verwenden können. Und falls wir einige CSS- und PHP-Kenntnisse haben, können wir diese Themes in sogenannten Child Themes superbequem umprogrammieren und uns aneignen. Child Themes überschreiben das Haupt-Theme mit eigenem Code und erhalten diese Überschreibung auch bei Updates des Themes bei (unbedingt immer mit Child Themes arbeiten!).

Premium-Themes sind fast ein Muss

Themes haben leider ein riesig großes Problem: Sie sind meistens viel zu aufwändig und mit sehr viel unnötigem Überschuss programmiert worden, um möglichst viele Funktionen abzudecken. Sie wollen Allrounder sein. Das verlangsamt die Website enorm und sorgt für schlechte Rankingfaktoren bei Google und GTmetrix.

Deswegen ist es fast ein Muss, auf kostenpflichtige Premium-Themes zurückzugreifen und hierbei auch keine Kosten und Mühen zu scheuen. Es gibt viele exquisite Themes auf diversen Portalen – ich schaue meistens auf themeforest.com nach Premium-Themes.

Ich werde in naher Zukunft einen Guide zu den aktuell besten WordPress Themes veröffentlichen, schaut also demnächst öfter mal vorbei!

Auch komplexe Anwendungsfelder möglich

Es ist mittlerweile auch kaum noch ein Problem, komplexe Systeme wie Online-Shops mit WordPress aufzubauen. Viele Premium-Themes bieten hier vollen Support und ein ganzes funktionierendes Framework dafür.

Auch das Managen einer Community ist mit WordPress kein Problem. Nutzernetzwerke können sich über das WordPress-Backend verwalten lassen. Registrierungen, Loginvorgänge, Kommentarfunktionen: all das ist ebenfalls zentral für Blogs und wird mitgeliefert. Mittlerweile gilt es hier allerdings auf den Datenschutz zu achten, denn hier werden Nutzerdaten ausgetauscht und gespeichert.

Die Nachteile von WordPress

Überladung des Codes

Wie eben schon angesprochen, kommt WordPress mit seinen Themes oft mit schwerfälligem Code und vielen verzweigten Verknüpfungen daher. Das entschleunigt das Laden der Websites oftmals und kann zu schlechten Rankings führen. Viele große Themes, die einfach alles haben und sein wollen, bringen gerne mal dieses Problem mit sich. Schlecht programmierte, billige Themes aber auch. Recherchiert also im Vorfeld, welche Themes gut sein sollen und schaut euch auch Erfahrungsberichte und Bewertungen an.

Tipp

Achtet auf Themes, die einen guten Ruf haben und besonders schnell sein sollen. Hier fehlen vielleicht dann zwei, drei fancy Funktionen und Elemente, aber dafür habt ihr kein Problem mit der Schnelligkeit der Website. Ebenfalls wichtig ist, dass das Theme regelmäßig Updates erhält: Schaut hierfür immer das Datum des letzten Updates an!

Hoher Wartungsaufwand

WordPress wird stets mit Updates und Aktualisierungen versorgt. Das sorgt dafür, dass die Anbieter der unzähligen Plugins ihr Angebot stets auf dem aktuellen Stand halten müssen und wir dann ständig alle Plugins ebenfalls updaten müssen. Falls ihr Plugins benutzt, die zu wenig Support erhalten und dementsprechend keine Updates bekommen, werden diese irgendwann nicht mehr funktionieren. Dasselbe gilt auch für die Themes. Diese müssen ebenfalls stets aktualisiert und gewartet werden, vor allem bei großen WordPress-Updates.

Falls ihr WordPress, Plugins oder Themes nicht auf dem aktuellen Stand haltet, kann es auch gefährlich werden.

Anfälligkeit & aufwändige Sicherheit

Gefährlich? Ja, denn WordPress ist ziemlich anfällig gegen Hacks. Tatsächlich habe ich bereits einige Hacks erleben müssen, weil Websites durch Kunden nach der Übergabe nicht auf dem aktuellen Stand gehalten wurden. Aber auch bei zu leichten Sicherheitsvorkehrungen kann es dazu kommen. Das ist nicht nur extrem nervtötend, sondern auch kostspielig und zeitaufwändig. Im schlimmsten Fall muss alles komplett neu aufgesetzt werden, wenn Bereinigungen nicht funktionieren.

Tipp

Es gibt einige Sicherheits-Plugins, die hier Abhilfe schaffen. Nutzt diese und haltet alles stets auf dem aktuellen Stand. Beschränkt die Schreib- und Zugriffsrechte auf eurem Server soweit, wie es eure WordPress-Installation, das Theme und die Plugins zulassen.

Updates und Neuerungen in WordPress

WordPress entwickelt sich immer weiter. Ihr momentanes Ziel ist es, ihren eigenen, relativ neuen Editor weiterzuentwickeln und die Nutzung intuitiver zu machen. Der Block-Editor zielt stark auf reine Redakteure ab und weniger auf Web Designer und Entwickler. Ich verwende diesen Editor beispielsweise überhaupt nicht. Weitere Updates finden sich in Form von neuen Standard-Themes direkt von WordPress und vielen technischen Kleinigkeiten und modernere Backend-Designs.

Viele Features, die bislang externe Plugins bewerkstelligen, werden immer wieder in diese Updates eingebaut. Das ist gut, denn es entschlackt unsere Websites weiter. Ein kleines Beispiel hierfür ist die XML-Sitemap. Diese musste bislang über Plugins erzeugt werden, welche dann geladen werden müssen und wieder Zeit schlucken. WordPress bietet dieses Feature jetzt selbst an.

WordPress vs. Konkurrenz

Und wie schlägt sich das Ganze jetzt im Spiel der Web Design Throne? WordPress ist und bleibt vermutlich noch lange sehr erfolgreich. Es zielt schließlich vor allem auf einfache Websites und Einsteiger ab, die meistens Blogger sind. Auch viele Websites von Unternehmen werden mit WordPress gebaut, aufgrund der niedrigen Kosten und des geringeren Zeitaufwands. Für einfache Unternehmens-Websites bin ich bereits nach 2-3 Tagen mit dem Projekt fertig – exklusive Korrekturen. Das ist enorm wirtschaftlich.

Es kommt aber eben sehr auf den Umfang und die gewünschte Funktionsvielfalt an. Wenn wir aufwändige Funktionen, wie zum Beispiel komplizierte Datenbankverknüpfungen oder CRM-Anbindungen haben wollen, bringt WordPress uns nicht sehr weit. Da wäre TYPO3 definitiv die bessere Wahl.

In Punkto Individualisierbarkeit kann WordPress für reine Web Designer auch nur bedingt punkten. TYPO3 oder Webflow bieten einfach deutlich mehr Freiheit, was das Design angeht. Bereits bei der Website-Konzeption müssen wir bei WordPress-Websites schon Einschränkungen an angepeilte Themes in Kauf nehmen. Bei freiem Design können wir unserer Kreativität freien Lauf lassen und das Ganze an einen TYPO3-Entwickler geben oder uns selbst in Webflow an die Umsetzung setzen.

Die Frage der Sicherheit ist sicherlich bei jeder Art der Umsetzung relevant, egal ob WordPress, TYPO3, Webflow oder sonst etwas. WordPress ist dennoch anfälliger, einfach weil es so viele Plugins und Micro Management erfordert.

Fazit

WordPress ist fantastisch und hat einen festen Platz in der Umsetzung von Web Designs in der heutigen Zeit. Es entwickelt sich stetig weiter und bietet viele modulare Erweiterungen für die unterschiedlichsten Bedürfnisse der Designer.

Die Kosteneffizienz und die Zeitersparnis ist für mich der wichtigste und eindeutigste Faktor, wenn es um die Wahl für WordPress geht. Allerdings muss auch gesagt werden, dass hier die Grenze zu komplexeren Websites relativ klar ist: Eine TYPO3-Umsetzung ist für höhere Budgets und komplexere Seiten dann schnell die bessere Wahl.

Am Ende kommt es immer auf das Projekt an.

Cheat Sheet

WordPress ist perfekt für:

 

WordPress ist nicht
empfehlenswert bei:

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